KARTOFFEL-BROTAUFSTRICH-KRÄUTERREICH ODER DIE WILDE KRAFT VOR DER TÜR



Es ist Frühling, auf den Spaziergängen zeigen sich die ersten Blättchen unserer Wiesenkräuter. Madam Rote Rübe geht jetzt ganz langsam an den Grünflächen vorbei, stets mit zur Erde leicht geneigtem Kopf, dabei aufmerksam die Augen kreisend. Kein Kräutlein soll ihrem Späherblick entkommen. Anstelle des antaxierten einstündigen Frischluftmarschs kommen nun zwei Stunden Bummelkräutermarsch heraus.

Dafür kann sich jedoch das Körbchen sehen lassen, voll der verschiedensten Kräuter, als ob es einer Kräuterhexe gehört. Der Winterschlaf ist endlich zu Ende, die schon leicht wärmende Sonne und die erhöhten helleren Tagesstunden lassen die Kräuter mit neuer Kraft erwachen. Überall sprießen die Knospen, Blüten werden sichtbar.



An einer Stelle blühen wunderbar üppig die blaulila Veilchen, staudige Duftveilchen, die etwas verborgen unter der Hecke im lichten Schatten stehen. Die frischen Blüten wirken besonders schön als appetitanregende Dekoration auf cremig gerührten Frischkäsedesserts oder süßen Aufläufen und verleihen ihnen, sowie Sirups, Essig und Marmeladen ein feines Aroma. Veilchenblüten werden gerne mit den klassischen, ersten Frühjahrskräutern in Salaten und Suppen verwendet.

Richtung Waldesrand und in Lauwäldern finden sich die ersten Blätter der Knoblauchrauke, sobald sie in der Hand zerrieben werden, riecht es zart nach Knoblauch. Ein untrügerisches Kennzeichen, dass wir es hier wirklich mit der Knoblauchrauke zu tun haben. Später in Laufe des Jahres wächst diese Pflanze bis zu einem stattlichen Meter hoch mit kleinen weißen Blüten. Sie schmeckt am besten frisch gepflückt und stets roh in feinen Dips, Kräuteraufstrichen, Frühlingssuppen- und saucen, leider verflüchtigt sich der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack der Senföle beim Kochen.



Der Löwenzahn als bekannteste Wildpflanze übersät im Frühjahr ganze Wiesen und Ackerränder mit seinen leuchtend gelben Blüten auf hohlen Stängeln. Er besitzt eine Pfahlwurzel, aus der die stark gezähnten Blätter rosettenartig wachsen. Essbar sind alle Teile des Löwenzahns, die jungen, herb-bitteren Blätter geerntet vor der Blüte im Salat, die Blütenknospen knusprig paniert, die Blüten verwertet in Sirup und Gelee und die gerösteten Wurzeln als Kaffeeersatz.

Als  einer der ersten Frühjahrsblüher  zeigt sich das Scharbockskraut auf feuchten Wiesen oder in lichten Laubwäldern. Ganze Teppiche bilden die zarten herzförmigen glänzenden, dunkelgrünen Blättchen. Die säuerlich-herben Blätter werden nur vor der Blüte geerntet! Danach ist das Hahnenfußgewächs scharf und  unverträglich. Sein hoher Vitamin-C Gehalt ist nach dem Winter höchst willkommen in frischen Salaten, Kräuterquarks und als Spinat.

Der wild wachsende Sauerampfer schmeckt mit seinen langen pfeilähnlichen Blättern intensiv sauer, in meinen Kartoffelsuppen bewirkt er ein zitroniges Aroma. Zu den Knöterichgewächsen gehörend, finden wir ihn in relativ feuchten Wiesen. Aufgrund seines hohen Oxalgehaltes sollte er nicht zu häufig gegessen werden, doch jetzt im zeitigem Frühjahr gehören die  jungen Blätter unbedingt zu unserem Wildkräutercocktail.


Doch bevor Du in die Natur hinausgeht, solltest Du 10 Tipps zum Sammeln von Wildkräutern kennen lernen und beherzigen:

1. Pflücke nur Pflanzen, die Du sicher kennt!
2. Vermeide das Sammeln an Stellen mit hoher Verschmutzung oder Umweltbelastung und pflücke nur saubere, gesunde Pflanzen!
3. Überlege vor der Ernte, was Du mit den Pflanzen machen möchten und wie viel Du davon benötigst!
4. Sammel nur so viel, wie Du wirklich braucht. Lass die gesammelten Pflanzen nicht im Kühlschrank verderben!
5. Sammel keine seltenen Arten, Wurzeln und Samen in großen Mengen, da dadurch der Bestand gefährdet werden kann!
6. Pflücke nur jene Pflanzenteile, die Du verwenden möchtest, indem Du diese mit Daumen und Zeigefinger abzwickst!
7. Pflücke niemals zu viel von einer Pflanze, damit sie sich wieder erholen kann!
8. Transportiere Deine Ernte luftig in Körben, Leinentaschen oder Papiertüten!
9. Verlese vor der Verarbeitung die Pflanzen und Pflanzenteile nochmals sorgfältig!
10. Verwende niemals Giftpflanzen, auch nicht in kleinen Mengen, selbst wenn Du in manchen Büchern Rezepte dazu finden (z.B. Maiglöckchenblüten)!

Wer sich tiefer in die Materie einlesen möchte, dem sei das Kräuterbuch Essbare Wildpflanzen: 200 Arten bestimmen und verwenden* von Steffen Guido Fleischhauer ans Herz gelegt. Es begleitet mich nun schon einige Jahre und ich schaue immer wieder gerne hinein. Denn schließlich, nur wenn ich mich sicher fühle in der Bestimmung unserer Wildpflanzen, verwende ich sie auch gerne in der Wildkräuterküche. 




Rezept
Kartoffel-Kräuter-Brotaufstrich

200 g Pellkartoffeln
30 g Frühlingszwiebeln
30 g gemischte Kräuter wie Löwenzahn, Veilchen, Schnittlauch, Maßliebchen, Knoblauchrauke, Sauerampfer, Spitzwegerich, Scharbockskraut usw.
1 kl. grüne Peperoni
100 g Butter
1 Prise ger. Muskatnuss
Kräutersalz
frisch gem. schwarzer Pfeffer

Pellkartoffeln schälen, durch eine feine Reibe geben und mit der weichen Butter gut verrühren. Frühlingszwiebeln waschen, vierteln und fein würfeln. Kräuter sorgfältig verlesen, waschen, trocken tupfen und klein schneiden. Peperoni halbieren, entkernen und ebenfalls fein würfeln. Alle Zutaten miteinander gut vermengen und kräftig abschmecken.

Mit einem Eiskugelportionierer Kugeln von der Masse abstechen. Dafür diesen stets vor jeder Kugel kurz in heißes Wasser eintauchen. Die Brotaufstrichkugeln dekorativ mit einigen Blüten auf einem schönen Teller arrangieren.


Viel Spaß beim Kräutersuchen wünscht Dir







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Kommentare:

  1. Kartoffeln wären mal eine Maßnahme. Quark und Frischkäse kommen mir langsam zu den Ohren raus ;-)
    Wird gemacht. Danke.

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    1. Gerne. Das kenne ich. Brauche auch immer mal wieder Abwechslung auf dem Butterbrot. Frohes Schaffen und guten Appetit
      wünscht
      Madam Rote Rübe

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Vielen Dank für deinen Besuch!
Wie schön, dass du dir die Zeit genommen hast, bei mir vorbeizuschauen und einige Worte dazulassen.

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